In der heutigen Arbeitswelt ist “Perfektion” die neue Gottheit, die angebetet wird. Auch wenn Perfektion auf den ersten Blick etwas erstrebenswertes ist, kann diese auch negative Effekte haben. Vielleicht ist es manchmal sogar gut auf gemachte Fehler hinzuweisen, statt sie zu verstecken? In der heutigen Episode geht es um die traditionelle Reperaturmethode für Keramik, Kintsugi, die genau das versucht.

Unsere Fehlerkultur

Ein ganz wichtiges Thema bei Innovation ist der Umgang mit Fehlern und die Angst vor dem Scheitern. Angst ist eine natürliche Sache, oft eine Folge von Unsicherheit. Meistens beruhen unsere Ängste auf negativen Erfahrungen in der Vergangenheit oder dem Ausbleiben einer positiven Erfahrung.

“Misserfolg” wird weithin als Narbe im Leben eines Menschen wahrgenommen. Etwas, das entfernt, versteckt oder ignoriert werden sollte, als wäre es nie passiert. Wir müssen anfangen, diese negativen Gedanken über das Scheitern wieder umzudrehen und es als das zu sehen, was es ist: Lernen.

Fehler zu machen hat in der Vergangenheit zu großen Innovationen geführt. Jeder Innovator macht Fehler, denn es bleibt niemals beim ersten Versuch. Das würde dem Geist von Innovation sogar widersprechen. Denn Innovation ist ein Prozess. Innovation passiert dann, wenn wir unserer Kreativität freilassen.

Als die Wissenschaftler von Pfizer die blaue Pille erfanden, bestand ihre ursprüngliche Absicht darin, Herzbeschwerden zu lindern.
Auch die Post-its sind das Produkt eines gescheiterten Versuchs, einen neuen Klebstoff zu erfinden.

Der Kintsugi-Effekt

Kintsugi ist eine japanische Kunst, bei der zerbrochene Keramik repariert wird. Kintsugi heißt “Goldverbindung”. Dabei werden Keramikbruchstücke mit einem Urushi-Lack geklebt. Wenn Scherben fehlen, werden diese mit einer Kittmasse ergänzt, in die Pulvergold oder andere Metalle wie Silber und Platin eingestreut wird. Diese Goldverbindung soll sogar den Fehler deutlich hervorheben. Es zeigt, dass nichts weggegeben werden sollte, nur weil es scheinbar kaputt ist.

Dadurch entsteht etwas Neues, das den Zweck des Alten erfüllt, aber trotzdem anders ist. Vermeintlichen Makel werden nicht versteckt, sondern durch den Zusatz von Edelmetallen sogar aufgewertet.

Die Geschichte

Angeblich war der Shogun Ashikaga Yoshimasa im 15. Jahrhundert so unglücklich, dass seine Lieblingsteeschale zerbrochen ist, dass er sie unbedingt reparieren lassen wollte. Also schickte er sie nach China. Zurück kam allerdings ein Tasse, die voller häßlicher Klammern war. Das war für ihn Anlass, einen schöneren Weg zu finden, um Zerbrochenes neu erstrahlen zu lassen. Die Kintsugi Technik fand so viele Anhänger, dass angeblich viele Sammler ihr Porzellan zerbrachen, nur um diese dann neu zusammensetzen zu lassen.

Kintsugi hat Ähnlichkeiten zu Wabi-Sabi, ein japanisches ästhetisches Konzept: Nicht die offenkundige Schönheit ist das höchste Gut, sondern die verhüllte Schönheit, die Imperfektion, die herbe Schlichtheit.

Oder auch Mushin, einem Geisteszustand in der Kampfkunst, ist es ähnlich. Dabei geht es um einen offenen Geist; Vertrauen auf Intuition. Kintsugi ist eine physische Entsprechung dieses Geisteszustand, weil es Veränderung und das, was ist, so wie es ist, annimmt.

Fazit

Wir neigen in vielerlei Hinsicht dazu, unsere Fehler vertuschen zu wollen. Aber nur wenn wir lernen, Fehler zu akzeptieren, können wir die Vorteile des Beobachtens und des Lernens nutzen. Wenn wir Fehler aus der Vergangenheit analysieren, lernen wir unsere Gegenwart zu verbessern. Die Angst, etwas Neues zu tun, schwächt sich ab. Wenn wir zulassen, dass wir die Schönheit im Fehler erkennen, können wir Innovation natürlich fördern.

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