Was wir beim Schreiben unseres aktuellen Buchs über das Planen und Machen gelernt haben

Vor ein paar Wochen war die Abgabe unseres neuesten Buchs “Die Kunst der Online Moderation”. Der Schwerpunkt liegt darauf, wie ihr Menschen digital begleiten könnt – mit vielen Methoden aus dem Design Thinking. Aufgrund der Aktualität des Themas musste das Buch sehr schnell entstehen. Was wir aus diesem Projekt gelernt haben und warum es nicht so leicht ist, einfach zu machen, erfährst du in der heutigen Episode.

Inhaltsübersicht

Unser Buch

Wir haben gerade das Manuskript für unser nächstes Buch abgegeben, das auf unserem gleichnamigen Online-Kurs “Die Kunst der Online-Moderation” basiert. Wobei uns wichtig ist, dass es nicht um Tools geht (diese sind auch Thema), sondern darum, die Menschen dort abzuholen wo sie sind (das bedeutet, dass wir uns zuerst um deren Gefühle und Bedürfnisse kümmern, bevor wir die Vorgehensweise aussuchen).

Die Zeit war sehr, sehr knapp bemessen. Und jeden Tag fanden wir neue Gründe, warum wir nicht starten konnten.

Bei Innovation oder auch in Projekten ist Prokastination nichts Neues. Jeder kennt es, jeder erlebt es immer mal wieder. Das Planen fühlt sich oft produktiv an, aber nur zu planen oder besessen davon zu sein, zuerst zu planen, bevor man startet, ist oft nichts anderes als ein klassischer Aufschub.

Akrasia

Menschen schieben seit Jahrhunderten Aufgaben auf. Das Problem ist in der Tat so alt, dass die griechischen Philosophen wie Sokrates und Aristoteles ein Wort entwickelten, um diese Art von Verhalten zu beschreiben: Akrasia.

Akrasia ist der Zustand, in dem du gegen dein besseres Urteilsvermögen handelst. Du tust etwas, obwohl du weißt, dass du eigentlich etwas anderes tun solltest.

Aufschieberitis ist das Verschieben einer Aufgabe oder einer Reihe von Aufgaben. Der Grund ist, dass wir Menschen unmittelbare Belohnungen höher bewerten als zukünftige Belohnungen.

Unser gegenwärtiges und zukünftiges Selbst

Wir haben ein gegenwärtiges und ein zukünftiges Selbst. Wenn wir uns ein Ziel setzen, wie eben ein Buch zu schreiben, machen wir Pläne für unser zukünftiges Selbst. Wir stellen uns dann die Zeit nach dem Projekt vor. Während das zukünftige Selbst Ziele setzen kann, ist es aber unser gegenwärtige Selbst, das handeln muss.

Wenn die Zeit gekommen ist, eine Entscheidung zu treffen, treffen wir aber die Wahl für das gegenwärtige Selbst, weil wir im gegenwärtigen Moment sind. Das gegenwärtige Selbst liebt sofortige Befriedigung und nicht die langfristige Belohnung. Das gegenwärtige Selbst und das zukünftige Selbst stehen also oft im Widerspruch zueinander. Das zukünftige Selbst möchte sich auf neue Projekte konzentrieren und wieder mit Menschen arbeiten, das gegenwärtige Selbst will aber jetzt Spaß haben.

Das ist der Grund, warum wir lieber spazieren gegangen sind, als an dem Buch zu arbeiten. Unser Hirn schätzt langfristige Vorteile, wenn sie in der Zukunft liegen (morgen), aber es entscheidet sich für die sofortige Befriedigung, wenn es um den gegenwärtigen Moment geht (heute).

Prokastination

Der Schlüssel, ist die Erkenntnis, warum du ein Projekt aufschiebst. Denn das meiste, was uns antreibt, läuft unbewusst ab. Wenn wir uns auf die Bedürfnisse unseres Körpers, unsere Gedanken und Emotionen einstellen, können wir unser Selbstbewusstsein stärken, damit wir uns ändern und so den Prozess selbst in die Hand nehmen.

Oft ist Angst der Grund. Dabei sind die wichtigsten Fähigkeiten des 21. Jahrhunderts Anpassung, Belastbarkeit und Lernen. Das lässt wenig Raum für Perfektionismus.

Planst du, weil du etwas klären willst oder weil du einfach nur etwas vermeidest? Wie fühlt es sich in deinem Körper an, wenn du gerade jetzt etwas planst? Wenn es gut und gesund ist, dann fühlt es sich wie ein Gefühl der Freiheit und des Flows an. Wenn es um Vermeidung geht, fühlst du möglicherweise Schwere, Ohnmacht und Angst.

Wir blenden dabei auch unerwartete, aber unvermeidliche Dinge, die in unserem Alltag einfach immer wieder passieren, einfach aus (wie spontane Telefonanrufe oder wichtige Mails). Es kann sowohl für unsere Produktivität als auch für unser Wohlbefinden von Vorteil sein, innerhalb unserer Tage zu improvisieren.

Sieh deinen Plan als Leuchtturm

Planung und Perfektionismus geht oft Hand in Hand. Du erstellst diesen perfekten Plan, wie du ein Ziel erreichen willst. Wenn ich zum Beispiel jeden Tag zehn Seiten schreibe, dann ist das Buch fertig. Pläne und Ziele sind aber nur Leuchttürme, die uns dabei helfen, den Weg zu beleuchten, denen wir folgen können. Anstatt sich auf den Plan oder ein Endziel zu konzentrieren, geht es um den Prozess. Ziele sind, was du lernst und worauf du dich zu bewegst. Ziele bedeuten auch ständige Kurskorrektur.Solange du arbeitest, machst du Fortschritte. Das genügt.

Gerade in der kreativen Arbeit gibt es kein lineares Wachstum. Es geht weniger um einen starren Plan oder eine Leiter, als um dien Lernen und Wachsen. Wenn du zu lange einfach stehen bleibst und nicht weiterwächst, dann wirst du irgendwann einfrieren. Es geht nicht darum, ein bestimmtes Ziel zu haben, sondern zu wissen, dass Stehen bleiben, Tod bedeutet.
Pläne könnten helfen, einen Weg zu beleuchten, aber wir wissen wirklich nicht, was auf uns zukommt, bis wir gehen.

Aufschieberitis überwinden

  • Wenn du alles als Übung siehst, dann brauchst du keine Angst vor dem Scheitern haben, weil jede Erfahrung nur eine Möglichkeit ist, die dir zeigt, was funktioniert und was nicht.
  • Wenn du im Alltag unter Aufschieberitis leidest, dann beginn ein Tagebuch zu führen und dich an eine einfache Routine zu halten, egal wie kurz sie auch sein mag.
  • Finde einen Weg, die Vorteile langfristiger Entscheidungen unmittelbarer zu machen. Formel dafür: Tu etwas, das du liebst nur dann, wenn du etwas von deinem Plan tust. Beispiel: Wir sind immer erst dann spazieren gegangen, wenn wir an dem Buch gearbeitet haben. oder wir haben dann den Film geschaut, wenn eine Grafik fertig war.
  • Bei unserem letzten Buch haben wir eine Wette abgeschlossen: Für jede Woche, die wir in Verzug geraten, mussten wir an eine Partei eine Spende zahlen, die wir hassten.

Unser wichtigstes Learning

Sobald wir begonnen haben zu schreiben oder Grafiken zu erstellen, war es leichter, weiterzuarbeiten, weil es Spaß gemacht hat. Es ist immer nur der erste Schritt, der mühsam ist. Gestalte also den Einstieg so einfach wie möglich und vertraue dann darauf, dass es danach leichter wird.

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